Dienstag, 21.11.2017

Jubiläum in Mellendorf: Dreißig Jahre Indianerhilfe in Paraguay e.V.

03.12.2008 01:00

Was geschah bisher?
Im Jahre 1978 berichtete die Presse, ausführlicher noch die Göttinger Gesellschaft für bedrohte Völker, in Paraguay würden Indianer systematisch ausgerottet. Mitglieder der katholischen Kirchengemeinde Mellendorf in der heutigen politischen Gemeinde Wedemark gingen diesen Meldungen nach. Von der Steyler Mission in St. Augustin bei Bonn erfuhren sie, es handele sich um die Aché – Indianer, die freilich nicht systematisch ausgerottet würden, sondern Opfer des Landhungers weißer Eindringlinge geworden seien, wie vor ihnen viele andere Indianervölker seit der Landung des Christoph Columbus auf dem amerikanischen Kontinent. 
Die Mellendorfer gingen der Sache auf den Grund. Sie entsandten Dr. Johannes Hesse nach Paraguay, damit er in Erfahrung bringe, was tatsächlich in Paraguay vorging. In Gesprächen mit dem Bischof von Ciudad Presidente Stroessner, heute Ciudad del Este, der Steyler Missionsschwester Mariblanca Barón, und einigen anderen Missionaren brachte Johannes Hesse genug Einzelheiten in Erfahrung, um nach seiner Rückkehr den Mellendorfern die Gründung des Vereins „Indianerhilfe in Paraguay“ empfehlen zu können. Tatsächlich fanden sich die erforderlichen sieben Interessenten zur Vereinsgründung zusammen. 
In der Folgezeit bemühte sich die „Indianerhilfe in Paraguay“ in enger Zusammenarbeit mit Schwester Mariblanca vor allem um die Ava Chiripá – Indianer im ostparaguayischen Departemento Alto Paraná, konkret: in der Indianermission Arroyo Guazú. Schwester Mariblanca lehrte die ihr anvertrauten Indianer damals vor allem die Rinderhaltung. Der Mellendorfer Verein und nicht zuletzt die katholische Kirchengemeinde in Mellendorf halfen ihr dabei nach Kräften. Ein Indianer, der nachweisen konnte, dass er sich mit der Rinderhaltung hinreichend vertraut gemacht hatte, erhielt eine Kuh für seine Familie. In Mellendorf stand das Pfarrfest der Kirchengemeinde mehr als einmal unter dem Motto „Eine Kuh für Arroyo Guazú“.
Dafür, dass der Verein ja eigentlich nicht der Chiripá, sondern der Aché wegen ins Leben gerufen worden war, mussten die Aché etwas lange warten, bis die Mellendorfer sich ihnen zuwandten. Bei der Vertreibung aus ihren angestammten ostparaguayischen Urwaldgebieten war das kleine Völkchen der Aché bis auf etwa siebenhundert Personen dezimiert worden. Die Steyler Mission erwarb für diese bedauernswerten Menschen Land und nahm sich ihrer an.
Am 01.November 2008 feierte die „Indianerhilfe in Paraguay e.V,“ nun im bis auf den letzten Platz gefüllten Saal des katholischen Pfarrzentrums ihr dreißigjähriges Bestehen. Der stellvertretende Vorsitzende des Vereins, Roland Danner, begrüßte die Gäste, darunter die eigens aus Paraguay angereiste Schwester Mariblanca und den Salesianerpater Dr. José Zanardini, der seit vielen Jahren im paraguayischen Chaco für das Volk der Ayoreo – Indianer tätig ist. Schwester Mariblanca und Pater Zanardini machten in kurzen Ansprachen die zum Teil von weither angereisten Gäste mit ihrer Arbeit und den aktuellen Problemen ihrer Schützlinge vertraut. Dr. Hesse, in den ersten zwanzig Jahren Geschäftsführer des Vereins, schilderte noch einmal die Entwicklung der „Indianerhilfe“, die zeitweise die größte in Paraguay tätige Entwicklungshilfeorganisation war. Immerhin hat die „Indianerhilfe“ die Bereitstellung erheblicher Mittel des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sowie der Niedersächsischen Lottostiftung für größere Projekte in Paraguay erreicht. Ende des vorigen Jahrhunderts gelang es ihr, einen Kooperationsvertrag mit UNICEF PARAGUAY zu schließen.
Als sehr segensreich sollte sich der vor mehr als zehn Jahren begonnene Kontakt zu dem in der Nähe von Heilbronn beheimateten „Club Paraguay e.V.“ erweisen. Längst ist es eine feste Tradition, dass der lange Zeit von Frau Ella Dreyer geleitete Club alle zwei Jahre das Sommerfest für seine norddeutschen Mitglieder im katholischen Pfarrzentrum Mellendorf veranstaltet. Der Club beteiligt sich auch immer wieder an der Finanzierung von Projekten der „Indianerhilfe in Paraguay“.
Gegen Ende seiner Ansprache hob Hesse die faktische – nicht rechtliche - Verankerung der „Indianerhilfe“ in der katholischen Kirchengemeinde Mellendorf hervor. Der allmonatlich nach dem Sonntagsgottesdienst auf den Plan tretende Dritte Welt – Laden stellt den Erlös aus dem Verkauf von Waren aus der sogenannten Dritten Welt jeweils dem „Indianerverein“ zur Verfügung. Vor allem aber hat der leider im Juni 2008 verstorbene Pfarrer Karl Heine sich mit der ihm eigenen Tatkraft für die „Indianerhilfe“ eingesetzt. Wiederholt hat er ohne Rücksicht auf seine Gesundheit an Reisen nach Paraguay teilgenommen. Ansonsten war Pfarrer Heine auch mit Erfolg um die Finanzen des Vereins bemüht.
Nach der Schilderung der Vergangenheit der „Indianerhilfe“ in seinen ersten zwei Jahrzehnten durch Dr. Hesse machte Gerold Buhl, seit 2002 Nachfolger von Johannes Hesse als Geschäftsführer des Vereins, die Gäste mit der aktuellen Lage der „Indianerhilfe“ und den geplanten Projekten zur rechtlichen Sicherung von Land und zur Wasserversorgung vertraut. 
Durch die Veranstaltung führte Prof. Manfred Zimmermann, ein engagierter Freund und Helfer der Indianer, der die einzelnen Beiträge zu einem Ganzen verband.
Die Pressesprecherin Frau Maya Andrea Velincar moderierte die abschließende Diskussion und fasste mit ihrer eigenen Erfahrung in Paraguay die gestellten Fragen zu übersichtlichen Sachgebieten zusammen.
Wie die anschließenden Gespräche in lockerer Runde zeigten waren alle Teilnehmer der Veranstaltung beeindruckt von den Notwendigkeiten und Möglichkeiten den Indianern in Paraguay zu helfen eine selbstbestimmte menschenwürdige Zukunft zu erlangen. Einige Besucher spendeten spontan für die künftigen Projekte. Hoffentlich schließen sich noch viele an.

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