Dienstag, 21.11.2017

Ava-Guarani organisieren eine Landwirtschafts-Genossenschaft

Die Familie ist traditionell die wirtschaftliche Einheit der Indianer. Die 164 Familien der Ava-Guarani in Akaray-Mi, die schon immer Ackerbau betrieben haben, sind noch einen Schritt weiter gegangen: Vor mehreren Jahren haben sie sich mit vier anderen Siedlungen zu einer landwirtschaftlichen Genossenschaft zusammengeschlossen und produzieren und verkaufen gemeinsam Weizen, Reis und Soja. Die Ava-Guarani von Akaray- Mi im fruchtbaren Südosten Paraguays besitzen 2800 Hektar und auf 400 Hektar bauen sie Soja an. "Pro Hektar liegt der Ertrag zwischen 2800 und 3200 Kilo", erzählt Pater Juan Krazja, der als Missionar des Styler Ordens die Genossenschaft berät. Von dem Verkaufserlös werden die geleisteten Arbeitsstunden jedes einzelnen vergütet. Zudem bezahlen die Indianer davon die laufenden Kosten der Gesundheitsstation und geben zwei Prozent für die Schulbildung der Kinder ab.
Über die Verwendung des Gewinns entscheiden sie gemeinsam. Im vergangenen Jahr wurde ein Haus für den Bewacher der Silo-Hallen und des Fuhrparks bezahlt. "Die Indianer entwickeln zunehmend eigene Ideen für den Einsatz der Mittel" sagt der Schweizer Thomas Hasler, der als Missionar seit 1993 in der Siedlung arbeitet. Dabei hätten sie andere Prioritäten als die Helfer aus Europa, ergänzt er. Die Rolle des Missionars sei jetzt eher die des Beraters.
Der Verein Indianerhilfe Paraguay hat den Aufbau der Genossenschaft viele Jahre lang finanziell gefördert. Ein kleines Projekt aus dem Jahr 2002 war der Ausbau einer eigenen Imkerei. Mit Hilfe der Stiftung Niedersachsen konnten dafür 8800 Euro investiert werden. Der Honig der Indianer wird nach der Abfüllung im Genossenschaftsladen und einigen Supermärkten von Ciudad del Este verkauft.
Akaray-Mi liegt etwa 40 Kilometer westlich von Ciudad del Este entfernt. Diese Stadt im Dreiländereck Paraguay-Brasilien-Argentinien ist 1957 als mit dem Bau des größten Wasserkraftwerks der Welt im nahen Itaipu begonnen wurde. Inzwischen ist Ciudad del Este der größte Warenumschlagplatz für Handel in ganz Südamerika. Das ist auch im Alltag spürbar: Bei den 150000 Einwohnern rollt der Dollar, nicht die Landeswährung Guarani.
Die Kaziken vertreten ihre Gemeinschaft nach außen. Ramon Duarte ist einer von zwei Kaziken der Ava-Guarani-Siedlung Akaray-Mi. "Die Indianer in dieser Position müssen sich in beiden Welten auskennen", erzählt Hasler. Einerseits l.eben nach wie vor mit vielen Haustieren in ihren Hütten. Sie bereiten ihre Mahlzeiten auf Feuerstellen zu und ihre Kleidung hängt an der Decke der Hütten. Andererseits müssen sie mit den Paraguayern verhandeln. Auffällig ist, dass sie sich in der Kleidung kaum von den eher konservativ gekleideten Paraguayern unterscheiden.
"Wenn Indianer als Mitarbeiter der Genossenschaft Kontakt mit Behörden haben, mussten sie feststellen, das sie nur zügig behandelt wurden, wenn sie korrekt gekleidet waren", erklärt Hasler dieses Phänomen. Guarani ist neben Spanisch seit 1995 die zweite Landessprache. Damit ist Paraguay das einzige Land Südamerikas, in dem die Sprache der Ureinwohner offiziell anerkannt ist. Über 90 Prozent der Paraguayer sind Mestizen, Mischlinge aus Verbindungen zwischen den spanischen Eroberern und den Guarani-Indianern, die weite Teile Südamerikas bevölkerten. Nach Schätzungen sprechen 70 Prozent der Bevölkerung beide Sprachen, weniger als 12 Prozent nur Spanisch. Sechs Indianer der Siedlung sind getauft. Die Missionare halten jeden Sonntag einen Gottesdienst ab, der von einigen Familien besucht wird. "Unsere Arbeit hier hat wenig mit dem zu tun, was wir in der Ausbildung lernen", erklärt Hasler. Sie machen wenig Bibelarbeit und erteilen wenig Sakramente. Dafür lebt die Gemeinschaft vvon Indianern und Ordensbrüdern und -schwestern beide Religionen zusammen. "Wenn die Indianer ihre Gebetstänze machen, dann gehen wir mit", sagt der Missionar. mag

 

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