Dienstag, 21.11.2017

Aché-Indianer müssen ihren Urwald verteidigen

Der Urwald der Aché-Indianer im subtropischen Osten Paraguays ist heiß begehrt. "Die Paraguayer sagen, dass die Indianer auf Gold sitzen", erzählt der Missionar Benjamin Remiorz.. Damit meinen sie den Baumbestand des Indianergebietes. Von den 8000 Hektar des Gemeinschaftsbesitzes der Aché-Siedlung Chupa Pou ist ein großer Teil noch Urwald. Das Geschäft mit der Abholzung blüht in Paraguay. Nach amtlichen Schätzungen roden Landarbeiter jährlich 1230 Quadratkilometer des Urwaldes ab, das sind täglich etwa 460 Fußballfelder. Dieser Zerstörung der Landschaft folgt seit Jahrzehnten keinerlei Aufforstung. Um in den Besitz des Landes und des Edel- und Hartholzes zu kommen, scheuen arbeitslose Landarbeiter nicht vor Landbesetzungen zurück. "Die Indianer haben daraufhin ihren Besitz mit Pfeil und Bogen verteidigt", berichtet Remiorz, der als Missionar des deutschen Steyler Ordens seit 1990 in Chupa Pou lebt. Paraguayische und brasilianische Geschäftsleute versuchen zudem, die drei Kaziken - die Bürgermeister - der Aché-Siedlung zu bestechen, um Land zu kaufen. Als ein solcher Fall bekannt wurde, hat die Gemeinschaft der 86 Familien den bestechlichen Kaziken abgewählt.
Der Kaufvertrag war zudem nicht legal, weil der Besitz der Indianer nur mit Zustimmung des zuständigen Bischofs verkauft werden kann. Diese Vorsichtsmaßnahme soll den Besitz der Indianer vor korrupten Geschäftsleuten und Beamten schützen. Die Indianer nutzen ihren Urwald, durch den sich der Fluss Rio Jejui Guazú schlängelt, zum Jagen von Wildschweinen oder Ameisenbären. Dazu benutzen sie Pfeil und Bogen, die sie aus Hartholz und Bambus fertigen. Einmal in der Woche gehen die Erwachsenen mit ihren Kindern in den Wald, um ihnen die verschiedenen Tierspuren zu zeigen.
Die Achés leben neben der Saisonarbeit auf den Feldern benachbarter Farmer von der Tierzucht. Eine Kuh für Chupa Pou, so lautete 1979 das erste Projekt des Vereins Indianerhilfe in Paraguay. Der Initiator Johannes Hesse sammelte damals Geldspenden in der Wedemark, um eine Kuh kaufen zu können. Die Haltung von Rindern war den Achés damals allerdings unbekannt und die Kuh wurde nach ein paar Wochen geschlachtet und verspeist. Nach dem Kauf der nächsten Kuh schulte eine Missionarin die Indianer im Umgang mit dem Milchvieh. Inzwischen ist der Bestand auf rund 100 Kühe angewachsen. Zur Zeit leben etwa 380 Erwachsenen und Kinder in der Siedlung. Alle Holzhütten der Familien sind zu einem langen Straßendorf angeordnet. Jede der Hütten hat Strom und fließend Wasser, das aus zwei Brunnen (120 Meter und 80 Meter tief) gepumpt wird. Diese gesunde Versorgung mit Trinkwasser wurde mit Hilfe des Wedemärker Vereins sichergestellt. Die Brunnen waren neben der Entwicklung der Rinderzucht, dem Bau einer Schule und einer Gesundheitsstation Bestandteil des Projekts Aché II, das von 1995 bis 1999 realisiert wurde. Dafür hat der Verein durch Spenden, Geldern von Sponsoren und Beantragung von Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) insgesamt 523000 Deutsche Mark aufgebracht.
Die 114 schulpflichtigen Kinder der Siedlung besuchen die Schule mitten im Dorf. Fünf Aché-Lehrer und fünf paraguayische Lehrer im Alter zwischen 23 und 37 Jahren unterrichten sie dort. "Die Kinder gehen gern in die Schule und sind sehr interessiert, neue Dinge zu erfahren", sagt Pater Benjamin. Die Indianer haben dem Missionar den Namen Krawachigi gegeben, was soviel wie großer starker Vogel aus dem Wald bedeutet. mag

 

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