Donnerstag, 21.09.2017

 Medizinische Nothilfe für Ava Guaraní um Nueva Esperanza, Alto Paraná, Paraguay

 

1.      Angaben zum Antragsteller und zur fachlichen Qualifikation der / des Durchführenden

1.1.  Der Verein Indianerhilfe in Paraguay e. V. ( IP ) unterstützt seit 1978 mit Projekten zur Verbesserung der Ernährungsgrundlage, Verbesserung der Gesundheit, schulischer und beruflicher Bildung sowie rechtlicher Sicherung des Landes die Hilfe zur Selbsthilfe der indianische Bevölkerung in Paraguay, in der Absicht die Armut dieser Menschen zu bekämpfen.

1.2.  Seit Anbeginn arbeitet IP mit der Genossenschaft der Steyler Schwestern, unter ihnen eine langjährig tätige Gesundheitshelferin, zusammen, die in Nueva Esperanza in Ostparaguay eine Indianermission betreiben. Die Missionierung ist absolut nachrangig. Vielmehr sind sie erfahrene Sozialhelferinnen für die Indianer in allen Fragen der sozialen, wirtschaftlichen, medizinischen oder sonstigen Art und sind für IP als Personen des Vertrauens tätig.

 

2.      Inhalt und Zielsetzung des Projektes

2.1.  Die indianische Bevölkerung lebt in weit abgelegenen, offenen, kleinen Siedlungen auf dem Land.  Sie betreiben für die Selbstversorgung Landwirtschaft, verkaufen mögliche Überschüsse und verdienen gelegentlich als Tagelöhner etwas Geld. Die teilweise 50 Kilometer entfernte Siedlung Nueva Esperanza erreichen sie nur über Erdstrassen zu Fuß.

 

2.2.   Die medizinische Versorgung der Indianer beschränkt sich auf die Naturheilkunde der Schamanen und die kostenfreien Untersuchungen in den wöchentlich nur wenige Stunden besetzten Gesundheitsposten, wo jedoch Medikamente oder Krankenbetten fehlen. Die Notfallversorgung darüber hinaus ist dort ausgeschlossen. Indianer werden wegen ihrer Herkunft, der ärmlichen, abgerissenen Erscheinung und fehlender finanzieller Mittel nur selten ausreichend behandelt und bedürfen unserer Hilfe. Bei den wenigen Ärzten und in weit entfernten Krankenhäusern, das nächste ist ungefähr 90 Kilometer entfernt, sind vor der Behandlung die Kosten zu bezahlen. Medikamente, Verpflegung und Pflege sind beim Aufenthalt im Krankenhaus auch selbst zu organisieren und zu leisten. Dazu sind die Indianer nicht in der Lage. Wenn sie in Not geraten, suchen sie die Hilfe in der Station in Nueva Esperanza.

 

 

2.3.  Besonders Frauen und Kinder leiden unter der mangelhaften medizinischen Versorgung im Notfall wie Komplikationen bei Schwangeren ( Sturzgeburten, Kaiserschnitt, pränatale Komplikationen ); häufig ,auftretende Krankheiten der Atemwege bei Kindern (Lungenentzündung, Grippe und Tuberkulose ); Erkrankungen der Verdauungsorgane ( Durchfall, Erbrechen, Dehydrierung); Unfälle mit Knochenbrüchen und offenen oder stumpfe Verletzungen aller Art; akute Schübe chronischer Erkrankungen ( Schälblattern, Krebs, Nieren- und Herzleiden ). Die Gesundheitshelferin in der Missionsstation ist in der Lage situationsgerecht die notwendigen Maßnahmen zu erkennen und für die entsprechende Hilfe zu sorgen.

 

2.4.  In dem Projekt sollen die Indianer die Möglichkeit haben, in akuten und Notfällen medizinisch versorgt zu werden. Die medizinische Erstversorgung auch mit Medikamenten und Hilfsmitteln soll gesichert, der Transport ins Krankenhaus und die weitere notwendige Behandlung bei Ärzten oder Krankenhäusern ermöglicht werden. Damit werden häufig Leben gerettet oder schwere gesundheitliche Schäden bei den Betroffenen vermieden.

 

 

3.      Art und Umfang der Durchführung

Jährlich sind erfahrungsgemäß ungefähr 120 Fälle der Nothilfe zu erwarten. Im Bedarfsfall erfolgt die  schnelle Hilfe durch Versorgung hauptsächlich mit Medikamenten sowie Hilfsmitteln, häufig durch Krankentransport und Kostenübernahme bei den Ärzten und Krankenhäusern und gelegentlich durch Unterstützung bei der Pflege der Erkrankten. Gleichzeitig wird die Gelegenheit genutzt, Ratschläge zur Verhaltensweise für die gesundheitliche Vorsorge zu geben.

Das Projekt von insgesamt 10 000,-- Euro wird mit finanzieller Unterstützung der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung, eigenen Mitteln und einem Eigenanteil vor Ort in Paraguay getragen.

 

4.      Ökologische bzw. nachhaltige Auswirkungen des Projektes

Die medizinische Nothilfe verbessert die gesundheitliche Situation der indianischen Bevölkerung und bildet damit eine wesentliche Grundlage sich auch in Zukunft mit unserer Unterstützung sozial sowie wirtschaftlich weiter zu entwickeln und die Armut zu überwinden.

 

5.      Beginn und Zeitplan des Projektes

Dauer: 01. November 2010 bis 31. Oktober 2012

Der Projektablauf wird regelmäßig halbjährlich auf seine Wirksamkeit überprüft, damit die Mittelzuweisung dem Bedarf entsprechend erfolgen kann.

 

6.      Aussagen zur Nachhaltigkeit des Projektes

Die indianische Bevölkerung Paraguays ist nach wie vor am unteren Ende der sozialen Leiter anzutreffen. Die Erfahrung mit den bisherigen Projekten hat gezeigt, dass die Hilfe zur Selbsthilfe ankommt, wenn die Indianer die Hilfe wollen und sie erfolgreich ist. Die Indianer entwickeln dann die Eigeninitiative, um für die Zukunft vorzusorgen und den Weg aus der Armut zu finden. Bei der medizinischen Versorgung vertrauen sie noch auf die Naturheilkunde der Schamanen, sind aber bereit, sich gegenseitig zu unterstützen, wenn moderne Medizin in Anspruch genommen werden muss.

 

Indianerhilfe in Paraguay e. V.                                                      30900 Wedemark

                                                                                                          Karpatenweg 1

 

 

Bericht zum Projekt

Medizinische Hilfe für die Indigenen im Departemento Alta Paraná, Paraguay

Beginn: 01.11.2010

Ende: 31.07.2013 (Verlängerung genehmigt am 27. Mai  2013)

 

Stand: 15.10.2013

 

Der Bericht besteht aus der Aufstellung der Ausgaben mit Bemerkungen und einer Beschreibung des Ablaufs des Projekts mit Erläuterungen zu der Wirksamkeit.

 

  1. Den Indigenen konnte mit diesem Projekt Dank der Unterstützung durch die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung in gesundheitlichen Notlagen wesentlich geholfen werden. Es war davon auszugehen, dass nur für eine begrenzte Zeit in dieser Form die medizinische Hilfe für die Indigenen notwendig wäre. Die Regierung hatte begonnen eine minimale Krankenversicherung für alle einzuführen. Das war ein günstiger Zeitpunkt das Projekt zu beginnen.  Doch die Hoffnung auf eine schnelle Besserung der gesamten Gesundheitsvorsorge ist nach dem erzwungenen Rücktritt des Präsidenten Lugo wieder geschwunden, das Land war zu Stillstand gekommen und damit die Gesundheitsreform. Der neue Präsident Horacio Cartes hat die Gesundheitsreform inzwischen zurückgenommen. Die Presse berichtet, dass die Gesundheitsstationen kein Geld bekommen, und die Ärzte und Patienten die Materialien und Medikamente selbst kaufen müssen. Schutzimpfungen unterbleiben, weil weder Seren noch Ärzte oder Gesundheitskräfte dafür bezahlt werden.
  2. Ein generelles Problem ist die mangelnde Ernährung. Gemäß des neuesten Zensus ist bei dem überwiegenden Teil der  Indigenen nur eine Mahlzeit am Tag die Regel. Das führt zu Mangelerscheinungen und Anfälligkeit für Erkrankungen. Die Indigenen verdienen etwas Geld als Tagelöhner oder aus dem Verkauf ihrer geringen Überschüsse der Landwirtschaft. Sie haben so gut wie kein Einkommen und sind auf Hilfe angewiesen. Paraguay ist für Soja und Mais einer der größten Produzenten in der Welt. Die industrielle Produktion durch die großen Agrarfirmen geht einher mit dem ungehemmten Einsatz von Dünger und Herbiziden. Die Folge ist eine unglaublich hohe Umweltbelastung, insbesondere der oberflächennahen Gewässer. Das bedeutet eine gesundheitsschädliche Belastung des Bodens sowie der Nahrungsmittel und führt damit zu akuten wie auch chronischen Erkrankungen bei Menschen und Tieren.
  3. Eine besondere Herausforderung sind die weiten Wege und die schlechte Erreichbarkeit der indigenen Gemeinschaften.  Die indigenen Bevölkerung lebt in weit abgelegenen, offenen, kleinen Gemeinschaften auf dem Lande. Die Wege dorthin sind sehr schlecht und abenteuerlich. Dort wo die Indigenen leben, gibt es weder Telefon über Festnetz, noch mobilem Funknetz. Es bleibt nur zu Fuß, mit dem Pferd,  Auto oder LKW die Wege hinter sich zu bringen. Jede Tätigkeit zur medizinischen Hilfe in den Gemeinschaften ist also mit Fahrten verbunden, die aufgrund des schlechten Zustands der Wege viel Zeit und Geld für Kraftstoff und Reparaturen erfordert. Der Aufwand für die Fahrten zur Versorgung mit Medikamenten, den Besuch und Transport der Erkrankten wurde bei der Planung unterschätzt und musste durch Umschichten deutlich erhöht werden. Die Kosten für den Kfz - Betrieb und die Patientenversorgung sind nicht zu trennen. Deshalb sind in der Abrechnung die Kosten für den Kfz - Betrieb und den Transport der Patienten  zusammengefasst worden.
  4. Das medizinische Personal, Ärzte, Krankenschwester und Krankenhelfer arbeitet unter sehr erschwerten Bedingungen, wenn sie vor Ort tätig sind. Häufige akute Erkrankungen neben den Verletzungen wie offene Brüche, Rippenbrüche, Unfallverletzungen mit dem Moped Schwangerschaftsbeschwerden, Lungenerkrankungen, Rückenbeschwerden, Magen- und Darmerkrankungen, Erbrechen, Ruhr, Erkrankungen durch übermäßigen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf den Feldern der Agrarindustrie, Herzbeschwerden, Krebs, Allergien und so weiter sind an der Tagesordnung. Die Krankenschwester der Missionsstation  hat im Durchschnitt monatlich 22 Stunden für das Projekt gearbeitet. Sie hat bei diesen Einsätzen die Patienten untersucht, mit Medikamenten versorgt, kleine Operationen vorgenommen, Wunden genäht und Verbände angelegt oder gewechselt. Die unentgeltliche Arbeit, mit 200 Stunden zu 2,50 € als unbare Eigenleistung im Projektplan eingesetzt, reichte bei weitem nicht aus die anfallenden Tätigkeiten zu bewältigen.  Zur Dokumentation wurde sie mit einer Kamera ausgestattet, da die vorhandene ihren Geist aufgab. Neben der medizinischen Versorgung ist die Aufklärung der Patienten zu gesundem Verhalten, der Hygiene und Verwendung der Medikamente eine ständige Aufgabe. Die Schamanen finden wegen der fortschreitenden Umweltzerstörung kaum noch natürliche Heilmittel, um den Patienten zu helfen. Das ist auch mit ein Grund für die Versorgung von chronisch Kranken mit Medikamenten. Für die sachgerechte Lagerung der Medikamente wurde ein Kühlschrank beschafft, der in einer Schule aufgestellt wurde. Hier ist der elektrische Anschluss möglich und ein ehrenamtlicher Gesundheitshelfer kann die Medikamente im Bedarfsfall rasch für die Patienten der Gemeinschaften der Umgebung verwenden. Die stille Arbeit der freiwilligen Gesundheitshelfer kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Hier ist durch deren Schulung und Unterstützung eine Möglichkeit die Gesundheitssituation der Indigenen weiter zu verbessern. Die Gesundheitshelfer haben keinen Lohn erhalten. Lediglich die Aufwendungen für Versorgung und Weiterbildung u. ä. wurden gezahlt.
  5. Die Versorgung der Patienten in Krankenhäusern wurde von den medizinischen Helfern bewusst nur im äußersten Fall in Anspruch genommen, da die Kosten den Rahmen des Projekts schnell überschritten hätten. Es ist üblich vor Beginn der Behandlung zu zahlen und die Beschaffung der Medikamente sowie die Pflege der Patienten selbst zu erledigen. Die Kosten für Operationsmaterial muss unmittelbar bezahlt werden.                                     Beispielhaft ist ein Unfall von Rodrigo Rodríguez und Francisco Alfonso aus Yvyrarovana (beides Ava Guaraní), die mit ihrem Motorrad und einem Geländewagen zusammenstießen. Beide erlitten Knochenbrüche am Schienbein und Wadenbein, einer zusätzlich am Oberschenkel und Verletzungen an der Wade und dem Mund. Sie mussten in eine Traumaklinik nach Ciudad del Este gebracht werden, wo sie versorgt wurden. Von den Medikamenten trug das Hospital nur einen geringen Anteil, alles andere musste selbst gekauft werden. Der Unfall geschah in Yvyrarovana ca. 100 km von Nueva Esperanza und ca. 250 km von Ciudad del Este entfernt. Eine sehr kostspielige Angelegenheit, und die Versicherung zahlt nicht. Weitere Beispiele und Bilder sind in der Anlage aufgelistet.
  6. Die Zielsetzung des Projekts, den Indigenen in medizinischen Notfälle Hilfe zu leisten, ist Dank der großzügigen Hilfe und Unterstützung der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung erreicht worden. Allein die Tatsache so vielen Menschen das Leben zu erhalten und die Gesundheit verbessern zu können ist ein wesentlicher Anteil der Nachhaltigkeit. Eine grundlegende Verbesserung tritt erst ein, wenn die staatliche Gesundheitsversorgung verbessert wird und die Indigenen mit Hilfe zur Selbsthilfe, das Ziel unserer Vereinsarbeit, wirtschaftlich unabhängiger werden. Zusätzlich wird die Verbesserung der Ernährung anzustreben sein, um die Anfälligkeit gegen Krankheiten zu mindern. Es wird noch ein langer Weg sein dies zu erreichen, bis dahin werden wir mit den gewonnenen Erfahrungen ähnliche Projekte für die Indigenen durchführen müssen.
  7. Wir bedanken uns insbesondere im Namen der Indigenen bei der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung für die Unterstützung.

 

 

 

Danke an die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung.

 

BINGO-Umweltstiftung

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